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„Fremde Heimat – Heimat in der Fremde“
ein Integrationsprojekt der Paul-Hindemith-Schule
14 Laptops wechseln den Besitzer!
Ein Beispiel für ein solches Projekt ist der Wahlpflichtkurs „Fremde Heimat – Heimat in der Fremde“, der in diesem Jahr an der Paul-Hindemith-Schule in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern von J.P. Morgan angeboten wird.
Hintergrund für dieses Projekt ist die Situation, in der sich viele Schüler mit Migrationshintergrund in Deutschland befinden. Beispielhaft sei hier die mögliche Geschichte eines Schülers, nennen wir ihn Andonis, geschildert. Andonis ist in Deutschland geboren. Er geht in Frankfurt zur Schule, hat dort seine Freunde. Mit ihnen spielt, lernt, streitet und verträgt er sich. Er trainiert beim FSV Frankfurt, fährt am Wochenende oft zu Turnieren und glaubt an seinen Verein.
Doch Andonis kennt die Widersprüche in seinem Leben, wenn er sie auch nicht benennen kann. Seine Eltern sind nicht hier geboren, sie erzählen oft von ihrer Heimat, in der viele Verwandte wohnen und die er nur aus dem Urlaub kennt. Er weiß wenig über diese Heimat, über das Leben dort. Er kennt nur die Bräuche und Gewohnheiten, die seine Eltern leben.
Andonis stellt sich oft die Frage, ob dies seine Heimat ist. Oder ist Frankfurt seine Heimat, diese Stadt mit ihren Türmen, der fremden Sprache, die er erst im Kindergarten gelernt hat, dem Fußballverein, seinem Viertel, den Freunden: Ivan, Lea, Samir, Michael und Betül? Hier kennt er schließlich jede Ecke, jeden Strauch und jeden Laden. Er weiß über die Menschen Bescheid, die ihm täglich begegnen. Er weiß, dass Ivan nicht hier geboren ist, dass Betül flüchten musste und Samir andere Feiertage hat, obwohl er auch Moslem ist. Er weiß, dass Lea Christin ist und Weihnachten und Ostern feiert, aber wie sie diese Tage verbringt weiß er nicht. In der Schule bleibt wenig Zeit, über diese Dinge zu reden, schließlich muss er seinen Schulabschluss schaffen.
Andonis Welt ist verwirrend. Er steht zwischen den Kulturen seiner Eltern, der fremden Heimat und seiner neuen, eigenen Lebenswelt, seiner Heimat in der Fremde.
Das Projekt hilft Schülern mit Migrationshintergrund, sich über ihre Situation klar zu werden. Über einen Email Kontakt zu einem gleichaltrigen Partner in die Heimat der Eltern soll ein reger Austausch über die jeweilige Situation in den unterschiedlichen Ländern stattfinden, bei dem gegenseitiges Verständnis für die Situation des Anderen und für die eigene Situation erreicht werden soll. Durch diese Auseinandersetzung auch mit ihren kulturellen Wurzeln soll ihr Selbstbewusstsein gestärkt werden. Die Ergebnisse dieses Austausches sollen innerhalb des Schuljahres auf einer von den Schülern selbstgestalteten Webseite veröffentlicht werden.
Der Paul-Hindemith-Schule ist es gelungen, mit J.P. Morgan einen Partner für dieses Projekt zu gewinnen, der nicht nur Geldmittel zur Verfügung stellt, sondern es vor allem auch 14 Bank-Mitarbeitern ermöglicht, sich - im Rahmen eines MentoringProgramms persönlich zu engagieren. So gab es bereits mehrere Treffen zwischen den Schülern und den Mitarbeitern der Bank. Ende August stellten die Schüler den Mitarbeitern bei einem Rundgang ihre Schule vor und im September gab es dann den Gegenbesuch in der Bank, der mit einem gemeinsamen Essen abgeschlossen wurde.
Am 1.11.2010 besuchten dann die Schüler der Paul-Hindemith-Schule wieder die Mitarbeiter von J.P. Morgan in der Junghofstraße. Bei dieser Gelegenheit übergab die Bank zur großen Freude des verantwortlichen Lehrers Herrn Grünewald 14 Laptops aus dem Bestand der Bank an die Schule, damit die Schüler zukünftig auch zu Hause an ihrem Projekt arbeiten können. Außerdem wurde so sichergestellt, dass die Schüler auch außerhalb der Schule mit den Mitarbeitern von J.P. Morgan über Email in Kontakt bleiben können. Denn mittlerweile haben sich beide Seiten so gut kennen gelernt, dass sich Lernpartnerschaften entwickelt haben, bei denen die Mitarbeiter von J.P. Morgan die Schüler auch in anderen Fächern unterstützen und ge meinsame weitere Freizeitaktionen in Planung sind.
Inzwischen kommen die Mitarbeiter von J.P. Morgan regelmäßig in die Schule und die Schüler gehen jeden zweiten Montag in die Bankzentrale. In dieser Zeit haben sich feste Partnerschaften entwickelt. Gemeinsam mit den Mentoren gingen die Schüler auf Internetrecherche, erarbeiteten einen Steckbrief, eine Präsentation zu ihrem Land und schrieben eine Vorgangsbeschreibung zu einem Gericht aus ihrer Heimat. Demnächst kochen die Schüler dann in der Schulküche selbst und die Mentoren werden selbstverständlich zum Mittagessen in die Schule eingeladen. Sowohl die Schüler, als auch die Mentoren wollen diese Partnerschaft über das Jahr hinaus fortsetzen.
Klaus Grünewald, Paul-Hindemith-Schule
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